Die Olympischen Spiele der Antike – Ursprünge & Bedeutung
Die Olympischen Spiele der Antike zählten zu den bedeutendsten kulturellen Ereignissen im antiken Griechenland. Sie erfüllten u.a. wichtige politische und soziale Funktionen. So trugen sie beispielsweise zum griechischen Identitätsgefühl bei und dienten gleichzeitig als Bühne, um persönliche und politische Eigeninteressen durchzusetzen.
Vom regionalen Wettkampf zum nationalen Großereignis
Unter den Gründungsvätern der Olympischen Spiele tummeln sich imposante Namen, wie Pelops, Herakles und sogar Zeus; Fakt ist allerdings, dass die hochberühmte Olympiade zu Beginn nur ein Kräftemessen adliger Athleten aus der eleischen Umgebung war. Und es gab nur eine einzige Disziplin: den Stadionlauf auf einer Naturbahn. Erst Ende des 8. Jahrhunderts erfuhren die Olympischen Spiele einen Prestigegewinn in der peloponnesischen Öffentlichkeit und waren dann schon im 7. Jahrhundert zu einem nationalen Ereignis geworden.
Nebenher existierten auch noch andere erhabene Spiele (Pythien, Isthmischen Spiele, die Nemeischen Spiele) wie auch kleinere, darunter die sogenannten Kranzspiele (Agones, stephanitai), deren Siegerlohn sich einzig auf die Überreichung eines Kranzes beschränkte.
Grundsätzlich konnte man 3 Typen von Agonen unterscheiden:
Den Herausforderungs-Agon, dessen Name allein schon auf Wetteinsatz und Wettpreis hinweist;
den Fest-Agon, wie beispielsweise die Olympiaden;
und dessen Sonderform, den Hochzeits-Agon. Hierfür gibt die Sage von Pelops und Eunomaus ein mythisches Beispiel.
Organisation, Ablauf und Disziplinen
Die Olympischen Spiele fanden jedes 4. Jahr im Hochsommer statt. Da die Eleer sie gegründet hatten, übten sie auch eine souveräne Macht hinsichtlich der Organisation und (als Stammort) auch hinsichtlich der Wahl der Örtlichkeiten aus. Das Kernprogramm bildeten klassische Männer-Disziplinen: Ringkampf, Pankraton (,,Allkampf"), Boxkampf usw. Später wurden noch der Waffenlauf und der Wettkampf der Herolde hinzugefügt, als einzige Zugeständnisse für musische Wettstreiter.
Die Olympischen Spiele waren in der Bevölkerung des antiken Griechenlands sehr beliebt. Sogar Platon, der berühmte Schüler des Sokrates, soll bei den Olympischen Spielen der Antike 2 mal die Goldmedaille im Pankration geholt haben (Pankration = Allkampf). Nach einer anderen Überlieferung erzielte er Erfolge v.a. bei den Spielen von Isthmia.
Fun Fact: Bevor Platon sich vollständig der Philosophie zuwandte, war er ein sportlicher Mann. Darauf deutet auch sein Name hin, im Deutschen etwa „der gut Gebaute“ oder „der Breitschultrige“.
Frauen durften bei den Olympiaden weder teilnehmen noch zuschauen
Ledigen Frauen war es gestattet, unter den Zuschauern zu sitzen, Vermählte jedoch erwartete bei dem Delikt, den Alpheios auch nur zu betreten, die Todesstrafe.
Die Gründe hierfür werden in der Entstehungszeit Griechenlands vermutet und sollen kultisch sein: Die ältere Forschung nahm an, dass ein frühgeschichtliches Matriarchat in Griechenland existiert habe. Frauenfeindliche Verordnungen dienten zur Umfunktionierung in einen „vaterrechtlichen Zeuskult“.
Jedenfalls gibt uns der Mythos von Kallipatreia, die sich verkleidet in den Alpheios schlich und zum Schluss doch als Frau entlarvt wurde, ein klares Bild davon, wie sehr die Griechen darauf bedacht waren, die Anwesenheit weiblicher Wesen zu verhindern.
Folglich war es Frauen auch verboten, am Wettkampf teilzunehmen. Ein Schlupfloch waren jedoch die hippischen Agone (Wagenrennen mit 2-, 4- oder 6er-Gespann). Da ja nicht der Wagenlenker, sondern der Rennstallbesitzer als Sieger gekürt wurde, war es Kyniska von Sparta im Jahre 396/392 v. Chr. möglich, als erste Frau in der griechischen Geschichte Siegerin bei Olympia zu werden.
Bedeutung, Image und öffentliche Wirkung
Für die Festtagsbesucher besaß die Olympiade einen ungeheuren Spannungsgehalt, immerhin ging es hier um die nationalen Meisterschaften Alt-Griechenlands. Ein Sieg bei den Olympischen Spielen war gleichbedeutend mit großen politischen oder militärischen Leistungen, in jedem Fall waren sportliche Erfolge höher geschätzt als künstlerische, literarische oder philosophische.
Auch dienten die Spiele der Verbreitung eines positiven Images, sowohl des Einzelnen als auch der Großmächte. Selbstverständlich versuchten auch Politiker, Dichter und Philosophen, die Anwesenheit der gesamten griechischen Öffentlichkeit zu nutzen, um ihr Ansehen aufzubessern, wodurch ein kulturelles Rahmenprogramm geschaffen wurde.
Olympische Spiele als Bühne der Macht
Die frühen Olympischen Spiele dienten weit mehr als einem sportlichen Wettkampf – sie waren ein gesellschaftliches Forum, in dem die führende Oberschicht ihre Macht und soziale Stellung öffentlich zur Schau stellte. Diese Veranstaltungen waren eine frühe Form von Public Relations, bei der nicht nur der Sieg, sondern der Auftritt an sich symbolische Bedeutung gewann.
Olympiasieger genossen einen hohen sozialen Status, da ihr Erfolg das Ansehen der eigenen Person und ihres Umfelds maßgeblich steigerte. So spiegelten die Spiele weniger einen reinen Wettbewerb wider, sondern vielmehr eine komplexe Inszenierung von Stärke, Prestige und gesellschaftlicher Hierarchie.
* Freilich wurde dieser Umstand missbraucht, wie z. B. 476 v. Chr. von Themistokles. Er nutzte seinen Einfluss, um die Masse gegen den syrakussanischen Tyrannen Hieron I aufzuhetzen. Wegen seiner fragwürdigen Behauptung, Hieron hätte nicht zur Abwehr der Perser beigetragen, wurde der Tyrann von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.
Hoher Konkurrenzdruck
Mit dem Verlust des regionalen Charakters der Spiele entstand eine Konkurrenz zwischen den Städten. Es galt als begehrtes Statussymbol, wenn eine Polis einen ihrer Bürger unter den Olympiasiegern zählen konnte, zumal neben dem Namen auch die Heimatstadt verkündet wurde.
Um den Ruf des Stadtstaates zu verbessern, wurde oft zu unlauteren Mitteln gegriffen. Zum Beispiel wurden Spieler gekauft: So bestach Astylon von Kroton den Athleten Gelon aus Sizilien, damit dieser sich als gebürtiger Syrakusaner ausgab. Wie gängig diese Praxis war, zeigt ein besonders extremes Beispiel: So besaß der Pankratiast und Faustkämpfer Marcus Aurelius Demostratus Damas im 2. Jh. n. Chr. das Bürgerrecht von über 14 Staaten.
Öffentlichkeitswirksame Statussymbole
Die Errichtung von Bauten, auf denen in großen Lettern der Name der jeweiligen Polis prangte, wurde für den Publicity-Wettstreit genutzt. Die beschrifteten Schatzhäuser waren eine perfekte Möglichkeit, den eigenen Wohlstand und politische Macht zu präsentieren.
Politik & Machtspiele rund um Olympia
Dass die Politik auch im Sport Einfluss ausübte, ist nicht verwunderlich, wenn man „das Politische als zentrales Lebenselement“ (Christian Meyer) der alten Griechen betrachtet.
Vorwiegend nahmen adlige Herrschaften an den Olympiaden teil, so erhielten die Spiele gleichzeitig die Funktion, die immer wieder aufkommenden Spannungen zwischen den Adelshäusern zu lösen, weil ein 1. Platz das Ego befriedigte.
Andererseits brachte ein Olympiasieg auch Einfluss mit sich. Darum konnte Alkibiades seinen Olympia-Sieg als Argument für den politischen und militärischen Führungsanspruch der athenischen Flotte im delisch-attischen Seebund durchsetzen.
Der Olympische Friede (Ekecherie)
Diplomatische Dimensionen
Zudem nahm man die Spiele zum Anlass, Verträge und Abkommen zu schließen, die man der Öffentlichkeit zur Schau stellte. Die Bronzetafel in der Altis von Olympia ist ein Zeugnis von dem Friedensabkommen, das Athen und Sparta 445 n. Chr. auf 30 Jahre miteinander schlossen
Allerdings brach dann 431 n. Chr. doch schon der Peloponnesische Krieg aus – LOL
Die Ekecherie, der sogenannte Olympische Friede, diente noch in archaischer Zeit zur gefahrlosen Ausführung dringender sittlicher Pflichten, wie der Bergung und Bestattung der Toten oder den Leichenspielen. (Homer gibt uns hierfür genug Beispielmaterial in seinen Epen.)
Vertraglich wurde die Ekecherie im 8. Jahrhundert v. Chr. festgelegt. Der Diskus von Olympia bezeugt die 3 Gründer
Iphitos von Elis,
Kleosthenes von Pisa
und Lykurg (der berühmte spartanische Gesetzgeber),
die auf Anweisung des delphischen Orakels diesen Vertrag schlossen.
Der Friede gebot ein freies Geleit von Sportlern, Zuschauern und Angehörigen der staatlichen Festdelegation. Diese Schutzfunktion beschränkte sich allerdings nur auf Elis und Olympia, sowie auf Hin- und Rückreise der Sportler, also vermutlich auf eine Dauer von 3 bis 4 Monaten. Die erfolgreiche Erhaltung solcher Vorschriften ist wohl durch die geringe Kompromissbereitschaft zu erklären, die die Polis damit eingehen mussten. Aber auch göttliche Gebote konnten die Ekecherie nicht vor gelegentlichem Missbrauch schützen. Als 412 n. Chr. Athen erfuhr, die Insel Chios mache Anstalten, aus dem delisch-attischen Seebund auszutreten, sandten sie Spione als offizielle Festdelegation zu den Isthmischen Spielen.
Teilnehmende und soziale Voraussetzungen
Die sozialen Verhältnisse spielten eine gewichtige Rolle, wenn es um die Zulassung der Teilnehmer ging. Wie bereits erwähnt, waren die Olympischen Spiele ein Tummelplatz der Reichen und Berühmten, die Wettkämpfer stammten ausschließlich aus der Führungsschicht der Städte.
Die Gründe dafür sind leicht ersichtlich. Sportliche Aktivitäten waren ein zeitaufwendiges Unternehmen, wodurch es Sportlern nicht möglich war, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb beschränkte sich der Sport zumeist auf Adelige, die ja Grundstücke und Untertanen besaßen, die ihnen Geld einbrachten und sie ernährten.
Insbesondere die Hippischen Agone waren hiervon betroffen, da der Besitz eines Rennstalls für die Teilnahme unbedingt erforderlich war. Im 5. Jahrhundert v. Chr. fand dann schließlich eine „Demokratisierung des Sports" (H. W. Pleket) statt; eine Folge der zahlreichen Verdienstmöglichkeiten durch die vielen Agone, die es auch Bürgern, Bauern und Lohnarbeitern ermöglichte, sich als Sportler zu verdingen.
Das beinhaltete jedoch keine Distanzierung der Adeligen von den Spielen oder deren Beschränkung auf die Hippischen Agone. Weiterhin blieben 3 Parteien unberechtigt zum Start:
Zum einen die Barbaren, worunter alle Nichtgriechen verstanden wurden. Es bestand eine Art von Antipathie gegenüber allem Fremden, sozusagen Barbarischem, wovon sich die Griechen stark abzuschotten wünschten. Spätestens aber im Jahre 146 v. Chr., als Griechenland römische Provinz wurde, war die Teilnahme fremdländischer Sportler unvermeidbar.
Eine weitere diskriminierte Gruppe bildeten die Sklaven. Weil die Begründer der Spiele adligen Standes waren, durften sie sich nicht mit minderwertigen Sklaven messen.
Dass Schwerverbrecher, also Griechen, die Mord oder Tempelraub begangen hatten, nicht zugelassen wurden, ist wohl nicht weiter erklärungsbedürftig.
Ferner traten nur Spitzenathleten an, die zuvor von den Hellanodiken (Griechenrichtern) eingehend auf ihre körperliche Belastbarkeit hin geprüft worden waren.
Etwa 150 Jahre lang dominierten Spartaner unter den Siegern der Olympischen Spiele (720 - 600 v. Chr.), was an der staatlichen Sportbildung lag, die ihnen einen deutlichen Vorteil verschaffte (zur Erinnerung: Solon führte die staatliche Sportförderung in Athen erst im fünften Jahrhundert v. Chr. ein).
Wettkampfethos, Betrug und berühmte Fälle
Jeder Athlet war von einem fanatischen Siegeswillen besessen. Belanglos, aus welcher sozialen Schicht er stammte. Die einen wollten ihren Ehrgeiz und ihre Ruhmsucht befriedigen, den Ersten und Besten ausmachen und sich so von den anderen abheben. Die anderen strebten danach, sich ihr Brot zu verdienen und in der Rangordnung aufzusteigen, auf dass sie sich ein angenehmeres Leben erwarben.
Ein Beispiel für diesen besonderen Siegeswillen der Wettkämpfer soll eine Anekdote über Kleomedes von Astypalia bieten. Er war höchst erpicht, den Sieg zu erringen, und gewann auch. Doch dann wurde er nachträglich disqualifiziert, weil sein Kontrahent den Kampf nicht überlebt hatte. In der Folge verlor Kleomedes den Verstand.
Und es gab allerhand Betrug. Davon abhalten sollten wohl auch die mahnenden Zeusstatuen in Olympia, die ausnahmslos aus Strafgeldern finanziert wurden und aufschlussreiche Inschriften tragen.
Auch bei Homer ist zu lesen (23. Buch der Ilias, Leichenspiele für Patroklos), wie üblich, offener Betrug, Mord, List und Spott waren. Natürlich gibt es auch historische Beispiele: Leontikos gelang es als berüchtigtem Fingerbrecher von Messana zweimal, den Sieg durch Fingerbrechen zu erringen (456 und 442 v. Chr.).
Die Olympiasieger
Ehre, Privilegien und Nachruhm
Nicht nur die materiellen Belohnungen eines Sieges waren ein erstrebenswertes Ziel der Athleten, auch ihrem Selbstwertgefühl wurde Genüge getan. Jubelstürme beim Sieg, ein Triumphzug durch tobende Massen zurück in die Heimatstadt, ein gigantisches Festmahl auf Kosten der Gemeinde ... - das allein waren schon handfeste Ehrenbezeugungen, die einen Olympiasieger erwarteten.
Je nach Disziplin stand sogar noch mehr in Aussicht: Das Ehrenbürgerrecht, die Ehrenmitgliedschaft im Gemeinderat, der Ehrensitz im Theater (Proedrie), die Errichtung einer Siegerstatue, Befreiung vom Militärdienst und von staatlichen Abgaben und Steuern (ab dem fünften Jahrhundert sogenannte Atelie"), politische Ämter und unentgeltliche Speisung im Prytaneion (Rathaus), was die höchste Ehrbezeugung von allen darstellte. (Nebenbei verursachten diese Privilegien hohe materielle Kosten)
Kalokagathie und Körperideal
Die Kalokagathie, die oft im Zusammenhang mit männlicher Tugend genannt wird, bezeichnet die Bildungsnorm der griechischen Oberschicht. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde sie propagiert als Erziehung junger Männer zur ethischen Vollkommenheit (durch Musikunterricht) und körperlicher Schönheit (durch Sportunterricht), um eine Harmonie zwischen Körper und Geist zu schaffen. Allerdings standen die sportlichen Aspekte im Vordergrund.
Dass die Athleten nicht immer äußerlich ein göttliches Ebenbild darstellten, beweist der berühmteste Athlet des Altertums: Milon von Kroton. Er hatte in diversen Agonen insgesamt 31 Siege im Ringkampf davongetragen und war ein Hüne von gewaltigem Körperbau, der circa neun Kilogramm Fleisch pro Tag zu sich nahm. Aristoteles soll über ihn gesagt haben: „Tapfer, aber gefräßig“.
Fazit: Olympia in der griechischen Antike
Die Olympischen Spiele waren weit mehr als sportliche Wettkämpfe: Sie stifteten Identität, bündelten religiöse Verehrung und ermöglichten diplomatische Verständigungen.
Unter dem Schutz der Ekecherie trafen sich Stadtstaaten, die sonst häufig in Rivalität standen, zu einem geordneten Kräftemessen – mit klaren Regeln, gemeinsamen Ritualen und hohem symbolischem Wert. Der Kult um Zeus, festliche Prozessionen und Opfer verbanden religiöse Praxis mit öffentlicher Repräsentation.
So wirkten die Spiele wie ein Scharnier zwischen Religion, Politik, Kultur und Wirtschaft – ein periodisches Zentrum, das die zersplitterte Polislandschaft trotz Konkurrenzgeist immer wieder zu einer gemeinsamen Öffentlichkeit zusammenführte und ihr Selbstverständnis als „griechische“ Gemeinschaft festigte.
Quellen:
1) Zu Ehren des Zeus: (#Ad/Affiliate-Link) Die Olympischen Spiele der Antike
2) Die Olympischen Spiele der Antike (#Ad/Affiliate-Link) Reclams Universal-Bibliothek
3) Die Olympischen Spiele in der Antike: (#Ad/Affiliate-Link) Die Welt des Olympioniken Milon von Kroton
4) Sport in der griechischen Antike: (#Ad/Affiliate-Link) Vom minoischen Wettkampf bis zu den Olympischen Spielen
5) Geschichte der antiken Olympischen Spiele: (#Ad/Affiliate-Link) Die Olympischen Spiele der Antike waren eine Reihe sportlicher Wettkämpfe zwischen Vertretern der Stadtstaaten.