Depression: Arten & Formen

Diese Subtypen von Depressionen gibt es

Autorin: Die Inkognito-Philosophin

Lineare Illustration von drei Frauenprofilen in verschiedenen Positionen, übereinander gelegt, auf schwarzem Hintergrund.

Depressionen haben viele Gesichter

Es gibt unterschiedliche Depressionsarten bzw. Unterformen, die sich durch ihre Ausprägungen und Symptome unterscheiden. Manche Depressiven sind getrieben und überaktiv, andere fühlen sich gelähmt und paralysiert. Eine weitere Gruppe kann den äußeren Schein gerade noch aufrechterhalten & funktioniert nahezu perfekt.

Oft wird das Verhalten Betroffener missverstanden.

  • Lineare Illustration eines Arztes im Kittel mit Stethoskop, der einen Patienten untersucht

    Medizinische Diagnosen

    Welche Depressionsformen medizinisch diagnostiziert werden und wie sie sich unterscheiden.

  • Illustration eines offenen Buches mit einer Feder und Tinte

    Beschreibungen statt Diagnosen

    Welche bekannten Bezeichnungen keine eigenständigen medizinischen Diagnosen sind.

  • Abstrakte orangefarbene Linienzeichnung einer verschlungenen, organisch wirkenden Form auf schwarzem Hintergrund

    Symptomprofile & Ausprägungen

    Wie unterschiedlich sich Depressionen äußern können und welche Besonderheiten auftreten.

Depressionsarten: Infografik nach Alter

Eine Depression ist mulitfaktorial

Früher wurde zwischen Auslösern von Depressionen unterschieden in

Diese Unterteilung ist heute veraltet. Die moderne Wissenschaft geht davon aus, dass Depressionen durch verschiedenste innere & äußere Faktoren entstehen (multifaktorielle Genese).

2 Formen der Depression

Bevor der depressive Subtyp bestimmt werden kann, ist es wichtig, die Formklasse der Depression zu bestimmen: unipolar oder bipolar.

» Grundlagen: Depressionen verstehen

Unipolare Depression

  • Die häufigste Form der Depression

  • einmalig oder wiederkehrend (=rezidivierend)

  • emotionales Tief über mehrere Wochen & Monate

  • es gibt leichte, mittelschwere und schwere Depressionen

Bipolare Depression

  • Wechsel von manischen & depressiven Phasen

  • chronisch, wiederkehrend

  • extreme Stimmungsschwankungen

  • Es gibt schwere & psychotische Verläufe

Rezidivierende Depression

  • rezidivierende depressive Störungen sind ein Subtyp der unipolaren Depression

  • bezeichnet in Abständen wiederkehrende unipolare Depression

  • Abwechslung von depressiven Episoden und monate- oder jahrelanger Symptomfreiheit

 Welche Depressionsarten gibt es?

Zur Einordnung der Begriffe: Nicht alle hier beschriebenen Bezeichnungen sind eigene medizinische Diagnosen. Manche benennen diagnostische Kategorien oder den Verlauf, andere bestimmte Merkmale einer depressiven Episode, Lebenssituationen oder umgangssprachliche Beschreibungen. Die Begriffe sind deshalb nicht direkt miteinander vergleichbar und ersetzen keine fachliche Diagnose.

Die Bandbreite an Depressionsarten & Subtypen zeigt, dass es sich bei Depressionen um eine komplizierte Krankheit handelt, die sich in verschiedensten Ausprägungen äußern kann.

Es gibt nicht DIE Depression, es gibt die DepressionEN.

Medizinische Diagnosen und diagnostische Einordnung

  • Linienzeichnung eines Gesichts mit geschlossenen Augen und einer Hand, die die Wange berührt.

    Major Depression

    (schwere Depression nach DSM)

    Sind keine Depressionsart, sondern werden oft als Synonym zur unipolaren oder schweren Depression genutzt. Oft werden die Schweregrade von Depressionen in „Major Depression“ (schwere depressive Episode) und „Minor Depression“ (leichtere depressive Episode) eingeteilt. Betroffene weisen alle 3 Hauptsymptome der Depression auf: Niedergedrückte Stimmung, Anhedonie (Freudlosigkeit) sowie starke Antriebslosigkeit bzw. Ermüdung.

    Eine schwere depressive Episode ist eine dringend behandlungsbedürftige Erkrankung, die für alle Beteiligten überaus belastend ist.

  • Die neurotische Depression

    subklinisch depressiv

    Der Begriff neurotische Depression wird heute nicht mehr oft verwendet. Meist reden Ärzte von Subdepressivität oder Dysthemie. Wie Du es auch nennst, es geht dabei immer um eine verwandte Krankheit im depressiven Spektrum, die außergewöhnlich lange andauert und Dir das Leben schwer macht.

    Die “neurotische Depression” ist eine ältere Bezeichnung und nicht automatisch gleichbedeutend mit Dysthymie.

    Symptome: geringes Selbstvertrauen, soziale Isolation bzw. Rückzug, Verlust an Interessen, pessimistische Einstellung, Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, geringere Gesprächsbereitschaft, körperliche Beschwerden, erhöhtes Suizidrisiko (vgl. Selbstmordgedanken).

  • Die Psychotische Depression

    Wenn depressive Menschen den Realitätssinn verlieren, sprechen Experten von einer psychotischen Depression. Die Betroffenen leiden unter Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Manche Menschen mit einer psychotischen Depression empfinden sich selbst als böse oder schlecht, fühlen sich verfolgt oder werden paranoid, denken, dass andere Menschen gegen sie wären oder sie Schlechtes in ihrem Umfeld auslösen.

    Die Beschwerden bei einer psychotischen Depression sind in der Regel schwerer ausgeprägt und die Episoden dauern länger als bei anderen Depressionsarten.

  • Illustration eines Mädchens, das eine Tasse hält

  • Linienzeichnung einer Mutter, die ihr Baby liebevoll hält.

  • Pränatale Depression

    Jede 10. leidet während der Schwangerschaft unter einer Depression. Besonders anfällig sind Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft depressive Episoden erlebt haben.

    Auslöser sind meist neben dem veränderten Hormon-Haushalt: Bewusstsein über Veränderungen in Bezug auf Beruf, Partnerschaft und Lebensplanung sowie gesellschaftlicher Druck (“die glückliche Schwangere”).

  • Postnatale Depression

    Ca. 15 % erleiden eine postnatale Depression. Dabei kommen Schuldgefühle besonders häufig vor.

    Betroffene klagen über ein schlechtes Gewissen, weil sie sich nicht richtig über das Baby freuen können und das Ideal der „glücklichen Mutter“ nicht erfüllen können.

  • Prämenstruelle Depression (PMD)

    Während der Periode, Schwangerschaft und rund um die Geburt sind Frauen aufgrund der Hormonsituation und sich verändernder Lebensumstände emotional besonders sensibel und haben ein höheres Risiko, eine Depression zu entwickeln.

    Das prämenstruelle Syndrom (PMS) verursacht oft körperliche und psychische Beschwerden: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und schnelles Weinen sind Zeichen der erhöhten Sensibilität. Bei einigen Frauen kommt es zu stark ausgeprägten depressiven Symptomen. In diesem Fall sprechen Mediziner*innen von einer prämenstruellen Depression (PMD).

Beschreibungen, doch keine eigenständigen Diagnosen

  • Linienzeichnung einer Person, die Yoga in der Warrior II Pose ausführt, vor schwarzem Hintergrund.

    Die hochfunktionelle Depression

    erfolgreich & depressiv

    Die hochfunktionale Depression ist eine atypische Depressionsart und schwer zu erkennen: Als funktional*e Depressive*r wirkst Du nach außen hin unbeschwert und erfolgreich.

    Du führst Small Talk, bist gut im Job und scheinst das perfekte Familien- oder Liebesleben zu führen. (vgl. auch die sogenannte Smile Depression). Was die anderen nicht sehen: die innere Leere & Verzweiflung, mit der Du jeden Tag kämpfst.

    Symptome der hochfunktionellen Depression: Schlafstörungen, Innere Leere, Verlust an Selbstwertgefühl, zunehmende Versagensangst, langsame soziale Isolation, häufige Gereiztheit, Verlust an Interessen & Begeisterung (Anhedonie)

  • Linienzeichnung zweier Gesichter in abstraktem Stil.

    Co-Depression in der Partnerschaft

    Wenn die Liebe zum depressiven Partner krank macht

    Hier geht’s um waschechte Depressionen. Das Präfix „Co-“ drückt nur aus, dass der Auslöser der Depression beim Partner liegt. Depressionen können auf emotionaler und mentaler Ebene ansteckend sein.

    Wichtig zur Einordnung: „Co-Depression“ ist keine eigenständige Diagnose und Depressionen sind nicht im wörtlichen Sinn ansteckend. Angehörige können durch Sorge, Konflikte und dauerhafte Belastung selbst psychisch erkranken.

    Dr. Gabi Pitschel-Walz von der TU München meint sogar, dass sich bei jedem 2. Angehörigen bzw. Partner Depressionen entwickeln.

    Symptome der Co-Depression: umfassende Schuldgefühle und Verantwortungsgefühle gegenüber dem depressiven Partner, Verlust an Interessen & Freuden, ständige Erschöpfung (mental & körperlich)

  • Linienzeichnung eines Gesichts mit geschlossenen Augen und leicht geöffnetem Mund, auf schwarzem Hintergrund.

    Die Borderline-Depression

    vom Himmel zur Hölle und zurück

    Borderline geht oft mit Depressionen einher. Wichtig ist, dass beide Krankheiten eigenständig behandelt werden. Aber was ist eine Borderline-Depression überhaupt? Einer der Unterschiede, auf den von mehreren Autoren hingewiesen wird, ist die unterschiedliche Qualität des depressiven Erlebens bei Borderline-Patienten.

    Symptome der Bordeline-Depression: Einsamkeit & Angst vor dem Verlassenwerden, Probleme im zwischenmenschlichen Bereich, starke und häufige Selbstmordgedanken, Ärger & Wut gegen andere, tiefsitzende Schlechtigkeit im Selbsterleben, intensives Klagen über depressive Symptome

  • Skizze eines Menschen, der auf der Seite liegt, mit einem runden Objekt hinter dem Kopf, gezeichnet in goldener Linie auf schwarzem Hintergrund.

    Posttraumatische Depressionen

    Trauma & Depression

    Trauma und Depression hängen eng zusammen. Bei über 60 % der Fälle von Depressionen spielen traumatische Kindheitserlebnisse ein Rolle. Doch leider wird das Trauma oftmals übersehen…

    Symptome der posttraumatischen Depression sind: vielfältiges Vermeidungsverhalten, mangelnde Emotionsregulation, Einschränkungen in der sozialen Kognition (operatorisches Denken, Empathie), dissoziative Zuständem evtl. Entwicklung nachteiliger Persönlichkeitseigenschaften (neurotisch, unumgänglich, extrem gewissenhaft, introvertiert etc.), ständiges Krankheitsgefühl (Zytokine, C-reaktive Proteine, vgl. Sickness Behavior)

  • Existenzielle Depressionen bei Hochbegabung

    Hochbegabung & psychische Probleme

    Keine eigene Depressionsart, aber eine spezielle Ausprägung:

    Hochbegabung beschreibt eine besondere Intensität & Bedürfnislage. Damit haben hochbegabte Menschen nicht nur eine bemerkenswerte Begabung, sondern auch besondere Herausforderungen.

    Studien konnten mittlerweile zeigen, dass v. a. unerkannte Hochbegabung mit schweren Depressionen zusammenhängt.

    Symptome der existenziellen Depression: verzweifelte Fixierung auf einen tieferen Sinn des Lebens und Sinnsuche, Empfindung von Entfremdung & Unauthentizität, Hoffnungslosigkeit & Weltschmerz über das Schicksal der Gesellschaft oder der Welt im Allgemeinen, Schwierigkeiten bei der Interaktion mit Menschen, die sich nicht um existenzielle Konzepte zu kümmern scheinen.

  • Topographische Karte mit Höhenlinien in Braun auf schwarzem Hintergrund.

Symptomprofile und besondere Ausprägungen

  • Die gehemmte Depression

    antriebslos & kraftlos

    Gehemmte Depressionen sind der „Normalfall“ … also das, wie sich jeder einen typisch depressiven Menschen vorstellen würde. Leere & Sinnlosigkeit, Schwäche & Kraftlosigkeit sowie kognitive Blockaden sind an der Tagesordnung. Die Körperhygiene & Artikulation fallen deshalb besonders schwer.

    Symptome der gehemmten Depression: Antriebshemmung, Denkblockaden, anhaltende Müdigkeit, auffällig leises & langsames Sprechen, langsame Bewegungen, lethargische Stimmung

  • Linienzeichnung einer Frau, die eine Maske hält und lächelt.

    Körperliche Depressionen

    larviert & gut versteckt

    Maskierte Depressionen sind durch vorwiegend körperliche Probleme charakterisiert. In der Medzin hat sich deshalb der Begriff „versteckte Depression“ oder somatisierte Depression etabliert.

    Symptome der körperlichen Depression

    Magen-Darm-Probleme (Bauchschmerzen, Durchfall etc.), Kreislauf-Beschwerden (Schwindel, Zittern, Hitzewallungen etc.), Augen- und Sehstörungen, Ohrendruck & verminderter Hörsinn, Atemnot, Herzrasen, Kopfspannen etc.

  • Melancholische Depression

    dumpf, starr & gefühllos

    Die melancholische Depression wird einerseits als idealtypische Form von Depression beschrieben, andererseits als spezielle Ausprägung mit spezifischen Merkmalen klassifiziert.

    In jedem Fall geht eine melancholische Depression mit körperlichen, emotionalen und kognitiven Symptomen einher.

  • Linienzeichnung eines Menschen, der in einer gekrümmten, nachdenklichen Haltung sitzt, den Kopf auf den Knien ruhend.

    Ängstliche Depressionen

    verängstigt & unsicher

    Depressive Angst tritt bei vielen auf, die an Depressionen leiden. Durch die Depression nimmst Du alles Negative viel stärker und deutlicher wahr. Dazu gehören auch Angstgefühle.

    Symptome der Angst-Depression: grundlose Versagensängste & Zukunftsängste, Panik- und Angstattacken, irrationale Scham- und Schuldgefühle, Angst vor der Angst

  • Morgen- und Abenddepression

    Morgentief & Abendtief

    Morgentief und Abendtief sind charakteristisch für Depressionen. Je nach Ausprägung, sind die Depressionssymptome dann morgens oder abends besonders schwer. Doch woran liegt das? Nach einer Studie von 2013 gehen einige Forscher davon aus, dass bei depressiven Menschen der sogenannte zirkadianische Rhythmus gestört ist.

    Symptome der Morgen- & Abenddepression: extreme Traurigkeit, Überempfindlichkeit und Gereiztheit (Wut, emotionale Ausbrüche), verzögertes körperliches Funktionieren, Widerwille und Anstrengung bei alltäglichen Tätigkeiten (Zähneputzen, Duschen, Anziehen etc.), Angst vor der Nacht oder dem Morgen.

  • Skizze eines Menschen mit zerzaustem Kopf und einer bucheförmigen Tasche auf dem Rücken, alles in orange Linien auf schwarzem Hintergrund.

  • Die agitierte Depression

    rastlos & getrieben

    Die agitierte Depression zählt zu den atypischen Krankheitsformen. Hier ist es die Hyperaktivität, die Dich als Betroffene*r unerbittlich vor sich hin treibt. Neben Aktionismus und Bewegungsdrang kämpfst Du auch mit starker Angst & Schlaflosigkeit. Doch vor allem ist es ein Gefühl des Getriebenseins, das die erschlagende Traurigkeit & Sinnlosigkeit überspielt.

    Symptome von agitierten Depressionen: starker Bewegungsdrang, Aktionismus und Hyperaktivität, zielloses Handeln und Denken, permanente Bewegung der Hände, schnelle Reizbarkeit, impulsive Gefühlsausbrüche, nervöses Nägelkauen oder Haareraufen, gesteigerter Redefluss, hohes Mitteilungsbedürfnis (Reden wie ein Wasserfall), sehr spontanes & unüberlegtes Handeln

  • Skizze einer sitzenden Person, bestehend aus einer einzigen durchgehenden Linie.

    Erschöpfungsdepression (Burnout)

    ausgebrannt & zutiefst erschöpft

    Erschöpfungsdepressionen sind weit verbreitet. Dennoch sprechen viele lieber über Burnout. Dabei ist eine tiefe emotionale und körperliche Abgeschlagenheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Lies hier, warum Burnout ein falsches Bild vermittelt und wir lieber von Erschöpfungsdepressionen sprechen sollten.

    Symptome der Erschöpfungsdepression: starke körperliche & mentale Erschöpfung, Überforderungsgefühl, Entfremdungsphänomene bzgl. Arbeit & Leistung, Leistungsabfall

Depression Selbsttest online

Bin ich depressiv?

Depressionstests sind eine Art Stimmungsbarometer, die speziell auf depressive Störungen ausgerichtet sind. Mit Hilfe des Ergebnisses lässt sich einschätzen, ob die Gefahr einer Depression besteht und darum ein Arztbesuch nötig ist » hier geht’s zum Depression Selbsttest (völlig anonym)