Die Vorsokratiker

Pythagoreer, Eleaten & Atomisten

Von: Die Inkognito-Philosophin

Historische Gemälde einer antiken oder klassischen Szene in einer großen Säulenhalle mit vielen Menschen.

Zitate und Sprüche vorsokratischer Philosophen

Als Vorsokratiker werden diejenigen antiken Philosophen betitelt, die vor Sokrates (470–399 v. Chr.) aktiv waren oder nicht von seiner Philosophie geprägt wurden. Sie markieren den Beginn der abendländischen Philosophie. Die Vorsokratiker lebten zwischen etwa 600 und 350 v. Chr. Ihre Hauptthematik war die philosophische Frage nach dem Ursprung aller Dinge.

Als Vorsokratiker gelten: die 7 Weisen, die Milesier, die Pythagoreer, Heraklit, die Eleaten↓, die Atomisten↓, einzelne andere und die Sophisten.

  • Historische Linienzeichnung des griechischen Philosophen Pythagoras im Profil

    Pythagoras

    Zahlen, Harmonie und die Ordnung des Kosmos.

  • Stilisierte Darstellung einer antiken griechischen Vase mit figürlichen Ornamenten und mythologischen Szenen.

    Alkmaion

    Die Anfänge der antiken Medizin und die Lehre vom Gleichgewicht.

  • Stilisierte monochrome Porträtillustration eines bärtigen Mannes mit langen Haaren und drapierter Kleidung auf schwarzem Hintergrund

    Xenophanes

    Kritik an den Götterbildern und die Frage nach wahrer Erkenntnis.

  • Stilisierte goldene Linienzeichnung eines bärtigen Mannes im antiken griechischen Stil auf schwarzem Hintergrund

    Heraklit

    Warum alles im Wandel ist und Gegensätze zusammengehören.

  • Stilisierte goldene Linienzeichnung eines bärtigen antiken Philosophen im Profil auf schwarzem Hintergrund

    Parmenides

    Das unveränderliche Sein und die Frage nach der Wirklichkeit.

  • Stilisierte Profilillustration eines bärtigen Mannes mit langen lockigen Haaren

    Leukipp

    Die Entstehung der antiken Atomlehre.

  • Stilisierte goldene Linienzeichnung eines bärtigen Mannes mit lockigem Haar auf schwarzem Hintergrund

    Demokrit

    Atome, Erkenntnis und die Grundlagen des Materialismus.

  • Stilisierte braune Strichzeichnung einer bärtigen männlichen Büste im Profil auf schwarzem Hintergrund

    Empedokles

    Vier Wurzeln, Liebe und Streit als Kräfte der Natur.

  • Stilisierte Linienzeichnung einer bärtigen, langhaarigen Person im Profil mit drapiertem Gewand.

    Anaxagoras

    Wie der Geist die Ordnung des Kosmos bestimmt.

  • Linienzeichnung eines lächelnden Mannes im Profil, mit Bart und stilisierten Haaren, auf schwarzem Hintergrund.

    Pythagoras von Samos (570 - ca. 500 v. Chr.)

    „Beiseit mit der Geburt;
    ich frage: Was du bist?“

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  • Über Pythagoras

    Er war nicht nur Philosoph, sondern auch Mathematiker und Gründer einer einflussreichen religiös-philosophischen Bewegung der Antike.

    Als 40-Jähriger gründete er in Süditalien seine Schule und betätigte sich auch politisch.

    Manche Historiker zählen ihn zu den Pionieren der beginnenden griechischen Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft – andere meinen, er sei vorwiegend oder ausschließlich ein Verkünder religiöser Lehren gewesen.

    Ob nun Pythagoras wirklich ein einflussreicher Mathematiker war oder nicht. Fest steht, dass er eine Analogie der Zahlenharmonie auf die Ethik übertrug. Besonders wichtig ist auch seine mystische Lehre von der Reinkarnation, die er vielleicht durch indische Einflüsse übernahm.

    Pythagoras lehrte den Dualismus von Leib und Seele, wie er allgemein im Griechenland vertreten war. Er ging von der Verwandtschaft aller Seelen aus, die erst durch ihre Inkarnation eine Individualisierung erfuhren.

  • Pythagoras Zitate über Mensch &Welt

    • Das ist das Wesen der Musik, dass sie die Seele zur Harmonie des Weltalls stimmt.

    • Die Tiere teilen mit uns das Privileg, eine Seele zu haben.

    • Harmonie in allem ist das Ziel, dem der Mensch eifrig nachstreben soll. Wie im Weltall, so soll die Harmonie auch im Menschen, gleichsam einer Welt im kleinen, vorhanden sein.

    • Vernünftle nicht, o Freund! Vernünfteln ist: zu weit In's Allerheiligste der Wahrheit sehen wollen, In welche wir nicht sehen sollen Mit den Augen dieser Zeit.

    • Der Mensch ist sterblich in seinen Ängsten und unsterblich in seinen Wünschen.

  • Pythagoras über Selbstreflexion

    • Man ist ja das nicht selbst, was man geboren ist.

    • Lass den Schlaf nicht in deine Augen, ehe du dreimal deine Seele über die Taten des Tages erforschtest. – Befrage dich: Wo bin ich gewesen? Was habe ich getan? Was hätte ich tun sollen?

    • Wir sind unsere eigenen Kinder.

    • Prüfe alles; räume der Vernunft die erste Stelle ein.

    • Tue nichts, was du nicht verstehst.

    • Sei nicht der Stoa Feind und fühle jeden Schmerz! Gleichgültigkeit legt Eis ums Herz!

    • Die kürzesten Wörter, nämlich "ja" und "nein", erfordern das meiste Nachdenken.

  • Pythagoras über das rechte Leben

    • Ich gebe dir den Rat, mit aller Kraft und Sorgfalt zu meiden: Krankheit am Körper, Verworrenheit der Seele, Ausschweifung im Genuss, Uneinigkeit im Hause und im Staate, Parteiung.

    • Der ist ein edler Mann, der seines Tuns sich freuet und vieles tat, und den von allem nichts gereuet.

    • Dem, der sich weise dünkt, dem sag aufs leiseste: Wer sich zu weise dünkt, ist nicht der weiseste!

    • Ganz dumm ist nicht so schlimm als nur halb aufgeklärt.

    • Schone des Lebens, damit herznagende Sorg' es nicht töte.

    • Siehst du vom hohen Harz ein Ungewitter kommen, geh deinen Weg mit schnellerem Schritt! Und hast du guten Mut mit auf den Weg genommen, so nimm ihn weiter mit!

    • Glaubt nicht, dass etwas ausschließlich euch gehört.

    • Sprich nicht zu viel von deinen Pflichten! Wir haben kurze Lebenszeit! Die Zeit zum Üben und Verrichten verschwindet unterdessen ins Meer der Ewigkeit!

    • Wer Samenkörner streut, der nehme sich in Acht, daß es ihn einmal nicht gereue!

    • Der ist ein schlechter Mann, der immer seinen Mund zum Reden offen hat, und immer ohne Grund!

    • Stolz macht uns klein und lächerlich, und groß ist, wer ihn überwindet!

    • Der ist ein Stolzer, der in sich Bescheidenheit nicht sucht, und sucht er sie, nicht findet!

    • Das Unglück ist ein Sturm, das Glück ein Sonnen-Blick, Ertrage, wenn du kannst, das Unglück wie das Glück.

    • Schleuß, was du denkst und sprichst, in angemessene Schranken! In deinem Rede-Fluss ersäufst du die Gedanken!

    • Siehst du das falsche Glück dir lächeln oder lachen, so denk', o Mensch, wie gut du bist, und sorge, dass es dir nicht etwa schädlich ist, Glück muss uns ja nicht schlechter machen!

    • Schwört nicht bei den Göttern. Seid von allein glaubwürdig.

Pythagoreerinnen: Theano, Myia, Diotima

  • Illustration einer klassischen Skulptur eines Kopfes im antiken Stil, in brauner Linie auf grünem Hintergrund.

    Theano von Kroton (ca. 6. Jh. v. Chr. / 550 v.Chr.)

    „Besser ein Pferd zu sein, das durchbrennt, als eine Frau, die nicht nachdenkt.“

    Theano war eine Mathematikerin. Sie wird oft als die Frau von Pythagoras angesehen und gilt als eine der ersten weiblichen Philosophen der Antike. Ihr werden verschiedene Schriften über Mathematik und Ethik zugeschrieben.

    Einige Quellen berichten, dass sie das Erbe der pythagoreischen Schule nach dem Tod des Pythagoras weiterführte und eine wichtige Rolle in der pythagoreischen Gemeinschaft spielte.

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    In einem der wenigen Fragmente, die von ihr erhalten blieben, erklärt sie, dass Pythagoras die Zahlen nicht als Ursache verstand (alle Dinge entstehen aus Zahlen), sondern “vielmehr in Übereinstimmung mit den Zahlen – was daher rührt, dass die Ordnung in den Zahlen liegt”

  • Linienzeichnung eines menschlichen Gesichts in Profilansicht mit geschlossenen Augen und einem Haarnetz.

    Myia (ca. spätes 6. bis 5. Jh.)

    Myia, die Tochter des Pythagoras, war wie viele Mitglieder der pythagoreischen Gemeinschaft in philosophische und mathematische Lehren eingebunden. In einer Quelle heißt es, sie habe in Kroton unter den Mädchen und später unter den Frauen eine Führungsrolle eingenommen.

    Der Neuplatoniker Porphyrios schrieb ca. 2 Jahrhunderte später, Myia habe pythagoreische Schriften verfasst. Weitere Überlieferungen zeigen, dass sie eine bekannte Persönlichkeit gewesen sein muss.

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  • Eine schwarz-weiße Illustration einer anmutigen Frauenfigur mit langen, gewellten Haaren, die ein Stirnband trägt, in brauner Farbe auf schwarzem Hintergrund.

    Diotima von Mantineia (ca. 400 v. Chr.)

    Ihre Gedanken und Lehren zeigen pythagoreische Einflüsse, insbesondere in Bezug auf das Streben nach Wissen und die Bedeutung von Harmonie und Ordnung. Diotima gehört zu den wenigen Frauen, die in den platonischen Dialogen erwähnt werden. Zwar tritt sie nicht persönlich in Erscheinung, doch Sokrates ist tief beeindruckt von ihr. Er erzählt, wie sie ihn in der Weisheit unterrichtet und ihn in eine Denkweise eingeführt hat, die später als Sokratische Methode bekannt werden sollte.

    Aber nicht nur das: Diotimas Denken beeinflusste den gesamten Dialog über die Natur der Liebe (Eros) und die Suche nach wahrer Schönheit und Weisheit. Demnach beschreibt sie Eros nicht nur als physische Anziehung, sondern als einen Antrieb, der Menschen dazu bringt, nach dem Göttlichen und dem Wahren zu streben. Ob Diotima eine historische Person war oder eine fiktive Gestalt darstellt, bleibt unklar.

Alkmaion von Kroton
(5/6. Jahrhundert v.Chr.)

alkmaion-von-kroton.jpg

“Von den unsichtbaren Dingen wie von den irdischen haben nur die Götter genaue Kenntnis, den Menschen aber ist das Schließen auf die Grundlage von Beweisen gegeben.”

(Quelle: Diogenes Laertios, (#Affiliate-Link/Anzeige), DK 24 B1)

Er zählt zu den vorsokratischen Naturphilosophen, ist aber weniger bekannt. Alkmaion soll Arzt gewesen sein, setzte sich mit medizinischen und biologischen Fragen in der Philosophie auseinander und widmete sich in seiner Philosophie vor allem anthropologischen Themen. Angeblich soll er zu den Pythagoreern gehört haben, das ist aber umstritten. So gut wie sicher ist, dass er erheblichen politischen Einfluss hatte.

Jedenfalls war Alkmaion der Erste, der das Gehirn als Organ verstand, mit dem Wahrnehmung und Erkenntnis möglich wurden. Er differenzierte zwischen sinnlicher Wahrnehmung und dem intelligiblen Verstehen. Letzteres galt für ihn als Spezifikum des Menschen, das ihn vom Tierreich unterschied.

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Zitate von Alkmaion

  • Die Menschen gehen darum zugrunde, weil sie den Anfang nicht an das Ende anknüpfen können. (Evtl. Kritik an pythagoreischer Individuationstheorie?)

  • Es ist leichter, sich vor einem Feinde zu hüten als vor einem Freunde.

Linienzeichnung einer alten dorischen Säule mit detaillierten Verzierungen an der Kapitell.

Von Alkmaion ist kaum Wortwörtliches überliefert.

Er liefert die Prinzipien zur späteren Harmonie-Lehre des Empedokles, die jener zur Humorallehre bzw. Säftelehre verschmolz. Auch teilte Alkmaion mit den Pythagoreern die Meinung, dass die Seele unsterblich sei, und fügte hinzu, dass sie wie die Sonne umherwandere. Er entdeckte bei Tiersektionen Nervenbahnen, die im Gehirn endeten.

Aufgrund dieser Beobachtungen erklärte er das Gehirn zum zentralen Organ. Auch beschreibt er uns die Funktion des Auges, indem er sagt, dass der Glaskörper des Auges ein Spiegel sei, der die auf ihm spiegelnden Dinge über "lichtbringenden Wege", also Nerven, in das Gehirn leite. Alkmaion vertritt die Meinung, dass alle Sinne und deren Wahrnehmung mit dem Gehirn zusammenhängen.

Die Schule der Eleaten

  • Skizze eines antiken griechischen Tempels mit Säulen und dorischer Ordnung

    Die Eleaten repräsentieren eine der ältesten philosophischen Schulen in der griechischen Antike, die als eleatische Schule bekannt ist. Ihr Name leitet sich von der Stadt Elea ab, die von Griechen an der Küste Westitaliens gegründet wurde.

    Die Eleaten gehören zur Gruppe der Vorsokratiker und Parmenides aus Elea wird als Hauptvertreter ihrer monistischen Lehre angesehen, welche ein einziges unveränderliches Sein postuliert.

    Weitere bedeutende Vertreter dieser Philosophie sind Zenon von Elea und Melissos von Samos.Beschreibung erscheint hier

  • Ein kreisförmiger Rahmen mit braunen Blättern an den Seiten auf weißem Hintergrund.

    Nach älterer Forschungsmeinung wurde die eleatische Philosophie ca. 540 v. Chr. von Xenophanes ins Leben gerufen. Jedoch wird Xenophanes heutzutage nicht mehr als ein Vertreter der Eleaten betrachtet – fraglich ist auch, ob Parmenide sein Schüler war, wie ehemals angenommen.

    Der Eleatismus ist eine philosophische Lehre, die von einem absoluten Sein ausgeht, das nur durch Denken erfasst werden kann. Dabei wird dem Werden die sichtbare Welt als Schein entgegengesetzt.

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Xenophanes von Kolophon
(580/570 – frühes 5. Jh. v. Chr.)

“Kein menschliches Wesen wird je die Wahrheit kennen, denn selbst wenn sie sie zufällig aussprechen sollten, würden sie nicht wissen, dass es die Wahrheit war.

Xenophanes

Es wird berichtet, dass Xenophanes ganze 67 Jahre lang durch Griechenland gereist sei. Er war als Rhapsode bekannt und rezitierte die alten Epen, insbesondere Homers. Es wird angenommen, dass er auch eigene Werke schuf, die aber nicht erhalten blieben.

Xenophanes ist der Erste, der auf systematische Art Ideen einer aufklärerischen Religionskritik und des Rationalismus entwickelt. In der älteren Forschung wurde er daher oft als „Sturmvogel der griechischen Aufklärung“ bezeichnet.

Interpretation zu Xenophanes

Xenophanes’ Werke waren analytisch und satirisch und befassten sich unter anderem mit der Vielzahl und Menschlichkeit der griechischen Götter. Er kritisierte somit die anthropomorphen Göttervorstellungen von Homer und Hesiod.

Nach seiner religiös-soziologischen Perspektive waren es nicht die Götter, die Menschen erschufen, sondern umgekehrt: „Wenn Pferde Götter hätten, sähen sie aus wie Pferde.“

In seiner Schrift „Über die Natur“ vertritt er einen Monotheismus und beschreibt einen ewigen, einheitlichen und unbeweglichen Gott in vollkommener Gestalt. Dabei bleibt das Pantheon der ursprünglich lokalen Gottheiten erhalten.

Xenophanes betrachtet das menschliche Wissen als Vermutung oder Meinung. Er behauptete, dass die absolute Wahrheit nicht erkennbar sei, aber es dennoch möglich sei, sich ihr allmählich anzunähern.

Parmenides

Parmenides von Elea
(520 – 460 v. Chr.)

“Soweit mein Sinn begehrte, trugen mich die Intuitionen…”

Unter den bedeutenden griechischen Philosophen bleibt keiner so mysteriös wie Parmenides. Ähnlich wie seine Kollegen Xenophanes und Empedokles präsentiert auch er seine Lehren in Form epischer Verse.

Faszinierend ist, wie die frühen Vorsokratiker eine traditionelle literarische Form mit revolutionären Ideen füllten.

Von ihm ist nur ein einziges Gedicht überliefert, das seine Lehre zusammenfasst. Deutlich wird daraus, dass Parmenides die empirische Naturphilosophie ablehnt. Er ist ein Rationalist, die Vernunft des Menschen hat im reinen Sein seine Grundlage, also lässt sich das Sein nur mit dem Geist durchdringen. Die Seinsform ist logisch, das vernünftige Denken ist Sein. Er spricht auch von einer Einheit des Seins. Wie viele vor ihm umschreibt er es als kugelgestaltig, also vollkommen.

Vom Schein zum Sein

  • Interpretation zu Parmenides

    Parmenides greift die Metapher Hesiods auf: die Unterweisung des Dichters durch die Gottheit.

    Er erhält von göttlichen Instanzen die Erlaubnis, über die traditionellen Vorstellungen hinauszugehen, und erlangt auf seinem Weg des Denkens ein höheres Verständnis über das Wesen (des Seienden) der Welt.

    Parmenides gilt als der Urheber der Ontologie und führte somit eine neue Phase des philosophischen Denkens ein, die sich von der klassischen Naturphilosophie abhob.

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    Parmenides lehnt es ab, die materielle Welt wie die Denker der ionischen Schule als etwas Gegebenes anzunehmen.

  • Parmenides über das Sein

    Ähnlich einem antiken Descartes stellt er sich die Frage, welche grundlegende Tatsache nicht verleugnet werden kann. Seine Antwort lautet: „Sein“ – also, dass etwas existiert. Zum allerersten Mal in der Geschichte der europäischen Philosophie wird eine klare Trennung zwischen Wahrnehmung und Denken vorgenommen. Parmenides stellt den Gegensatz zwischen dem sichtbaren Schauspiel der materiellen Welt und dem intelligiblen Bereich dar, welcher die Erkenntnis durch Sinne und Logik umfasst.

    Gleichzeitig erklärt er, dass nur Letzteres zuverlässig und wirklich ist. Die Erfassung der Realität erfolgt nicht über die Sinne, sondern einzig durch den Prozess des dialektischen Denkens. Auf diese Weise bahnt Parmenides den Weg für den Idealismus frühester Zeit.

  • Die Bedeutung des Parmenides für die Philosophie-Geschichte

    Die philosophische Lehre des Parmenides von Elea stellt einen signifikanten Wendepunkt in der abendländischen Metaphysik dar. Sein Beitrag zum Dualismus – der Vorstellung, dass 2 grundlegende und gegensätzliche Prinzipien existieren – ist zwar subtil, aber folgenreich. Parmenides’ Denken beeinflusste die nachfolgenden philosophischen Dialoge über die Beschaffenheit der Wirklichkeit.

    Sein dualistischer Ansatz warf zentrale Fragen der Ontologie und Erkenntnistheorie auf:

    • Was kann als wahrhaft Seiendes gelten?

    • Und wie grenzen wir Wissen von bloßer Meinung ab?

  • Silhouette einer Lady Justice Figur mit Augenbinde, Waage und Schwert, symbolisiert Gerechtigkeit.

Silhouette einer antiken männlichen Figur mit langem, gewelltem Bart und Haaren auf schwarzem Hintergrund.

Heraklit von Ephesos
(520 – 460 v. Chr.)

„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.“

Heraklit von Ephesos (um 520 – 460 v. Chr.) war ein Philosoph aus dem ionischen Ephesos. Sein Gedankengang, den er als Suche nach sich selbst beschrieb, befindet sich daher jenseits aller Kategorisierungen von Schulen und Strömungen. Aufgrund seiner schwer zu entschlüsselnden Botschaften erhielt er bereits in der Antike den Beinamen „der Dunkle“ (=Rätselhafte).

Die antiken Gelehrten interpretierten die Philosophie des Heraklit als Monismus, der alle Dinge aus einem logischen Weltfeuer entstanden sah.

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Interpretation zu Heraklit

Bemerkenswert an Heraklit ist seine neue Art zu Denken und sein Schreibstil, der für die damalige Zeit sehr eigen ist. Heraklit ist Rationalist, die Welt hat eine logische Struktur (Weltgesetz) in einem immerwährenden Prozess der Veränderung. Der Logos ist für ihn eine abstrakte Repräsentation der strukturellen Logik der Welt.

Wenn er von der Identität (=Harmonie) der Gegensätze spricht, propagiert Heraklit eine Dialektik statt einen Dualismus. So sind Leben und Tod 2 Gesichter des gleichen Phänomens. Die Physis konstruiert so eine stabile Realität. Heraklit übt heftig und herablassend starke Kritik am Sensualismus seiner Zeitgenossen, die sich lediglich mit sinnlichen Erfahrungen beschäftigen.

Ähnlich wie der Kosmos wird auch die Seele des Menschen vom Logos beeinflusst und unterliegt Veränderungsprozessen. Da die Seele am Logos teilhat und dieser sie als allgemeines, überindividuelles und ewiges Gesetz beherrscht und durchdringt, kann man ihn durch "Selbsterforschung" erfahren. Heraklit weist der Seele daher eine bestimmte "geistige Funktion" zu, die weit über die ursprüngliche Bedeutung des Wortes hinausgeht.

Heraklit & Parmenides

Früher wurde noch gelehrt, dass Heraklit und Parmenides, Gründer der eleatischen Schule in der Philosophie, sich als Gegner gegenübergestanden hätten und in ihrer Philosophie aufeinander Bezug nehmen. So sicher ist das mittlerweile nicht mehr.

Für diese Deutung ist u.a. der entgegengesetzte Ansatz Heraklits verantwortlich: Heraklit hält das Werden, die Veränderung, für das grundlegende Prinzip des Kosmos. Ihre Stabilität erhält die Wirklichkeit durch die Bewegung. Das Sein ist stetig in Veränderung begriffen. Das Sein ist Werden. Darauf spielen auch die ganzen Fluss-Metaphern an, die von Heraklit noch überliefert sind: Du kannst nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen usw.

Die altgriechischen Atomisten

Der Atomismus (auch Atomistik) ist eine kosmologische Theorie, die besagt, dass das Universum aus winzigen Partikeln besteht – den Atomen (griechisch: átomos bedeutet "unzerschneidbar" oder "unteilbar") -, die sich in einem vollständig leeren Raum bewegen.

Diese Ansicht steht im Gegensatz zur Vorstellung der Eleaten und anderer Philosophen, für die Materie ein Kontinuum darstellt.

Andere antike Varianten des Atomismus unterschieden sich vom Ansatz Demokrits, indem sie qualitativ verschiedene Arten von Atomen voraussetzten.

  • Bei Anaxagoras gab es beispielsweise so viele verschiedene Arten von Atomen wie beobachtbare Substanzen.

  • Empedokles hingegen postulierte qualitativ unterschiedliche Atome für die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde.

  • Auch Platon vertrat diese Vorstellung, nach der die Atome des Feuers als Tetraeder, die der Luft als Oktaeder, des Wassers als Ikosaeder und der Erde als Kuben erschienen.

Zusätzlich waren bei anderen Atomlehren die Teilchen nicht zwangsläufig unteilbar. Anaxagoras vertrat sogar die Ansicht, dass Atome beliebig oft geteilt werden konnten und dennoch die gleiche Beschaffenheit beibehielten.

  • Skulptur eines antiken griechischen Mannes mit Bart und gepflegten Haaren.

    Leukipp ( 5. - 4. Jh. v. Chr.)

    “Das Weltall besteht
    nur aus Atomen und Raum.”

    Leukipp stammte aus Elea, Milet oder Abdera in Thrakien. Er gilt als Schüler des Parmenides und als Begründer der Schule von Abdera sowie des Atomismus.

  • Zitate von Leukipp

    • Kein Vorgang ist grundlos, sondern alles Geschehen hat seine Ursache und ist notwendig.

    • Die Summe der Dinge ist unbegrenzt, und sie alle können sich ineinander verwandeln. Das alles beinhaltet sowohl das Leere als auch das Ganze. Die Welten entstehen, wenn Atome in die Leere fallen und miteinander interagieren; und aus ihrer Bewegung, wenn sie an Masse zunehmen, entsteht die Substanz der Sterne.

    • Ohne Grund geschieht auf der Welt überhaupt nichts.

  • Illustration einer linearen, braunen Pflanzenzeichnung mit mehreren Blättern auf weißem Hintergrund.

  • Leukipp & der mechanistische Materialismus

    Gemäß atomistischer Lehre und im Gegensatz zur Philosophie des Parmenides besteht die Welt aus einem leeren Raum sowie Materie. Diese Tatsache ist zwingend, da sich die Materie ohne den leeren Raum niemals bewegen könnte. Durch eine Neuanordnung der kleinsten Bestandteile, nämlich der Atome, entsteht Veränderung. Somit setzt sich alles Stoffliche aus unzähligen Bausteinen zusammen – den Atomen -, durch deren Umstellungen sowohl Entstehen als auch Vergehen erklärt werden können.

    Das Kausalgesetz von Leukipp besagt, dass kein Objekt ohne Planung entsteht, sondern mit Bedeutung und aus Notwendigkeit heraus. Demokrit hat diese Lehre weiterentwickelt und zum Materialismus ausgearbeitet. Es ist jedoch nicht mehr nachvollziehbar, welchen Teil der Lehre Demokrit von seinem Lehrer übernommen hat, da nur Fragmente des Textes erhalten sind.

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  • Demokrit von Abdera (460 – 380 v. Chr.)

    “Die Weltordnung ist Veränderung, das Leben persönliche Wahrnehmung.”

    Demokrit, der Schüler des Leukipp, hatte großen Einfluss auf die Philosophie des Epikur und wirkte als Lehrer in seiner Heimatstadt Abdera. Besonders prägend für seine philosophischen und wissenschaftlichen Werke war sein Aufenthalt in Babylonien, das zu dieser Zeit ein Zentrum der Wissenschaften war. Demokrit vertrat den Materialismus und galt als führender Vertreter der antiken Atomistik.

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  • Porträt eines Mannes mit Bart und lockigem Haar, stilisiert in Braun auf schwarzem Hintergrund.

  • Zitate von Demokrit

    • „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“

    • „Armut mit Anstand zu tragen, ist ein Zeichen von Selbstbeherrschung.“

    • Glück und Unglück trägt man im Herzen.

    • Den Menschen ziemt es, auf die Seele mehr Rücksicht zu nehmen als auf den Leib; denn die Vollkommenheit der Seele kann die Gebrechlichkeit des Leibes ergänzen, Körperkraft aber ohne Geist macht die Seele in keiner Hinsicht besser.

    • Glück ist verschwenderisch, aber unbeständig, Natur dagegen auf sich selbst ruhend; darum trägt sie mit ihrem geringeren, aber beständigen Wesen doch den Sieg davon über das größere Wesen der Hoffnung.

    • Nicht Leibeskraft oder Geld macht den Menschen glücklich, sondern Geradsinnigkeit und Vielseitigkeit.

    • Die Missgunst ist die Wunde der Wahrheit.

    • Im Spiegel siehst du die Unvollkommenheiten deiner äußeren Erscheinung. Bei den Gefühlen die deiner Seele.

    • Wenn der Körper die Seele wegen der erlittenen Mißhandlungen verklagen wollte, so würde sie nicht loskommen.

    • Die Gesetze sind Früchte menschlichen Sinnens, im Gegensatz zu den Dingen der Natur.

    • Besser sind die Hoffnungen der Gebildeten als der Reichtum der Ungebildeten.

    • Wohlgemutheit erringen sich die Menschen durch Mäßigung der Lust und Harmonie des Lebens. Mangel und Überfluss aber pflegt umzuschlagen und große Erregungen in der Seele zu verursachen. Die in starken Gegensätzen sich aufregenden Seelen sind weder beständig noch wohlgemut.

    • Die Gerechtigkeit erfüllen, bedeutet: tun, was man muss; Ungerechtigkeit aber: nicht tun, was man muss, sondern sich davon drücken.

    • Ein Leben ohne Feste ist wie eine lange Wanderung ohne Einkehr.

    • Die Menschen erinnern sich mehr an das Verfehlte als an das Gelungene.

  • Hintergrund-Infos zu Demokrit

    Wie Untersuchungen belegen, lebte Demokrit zur gleichen Zeit wie der Naturphilosoph Anaxagoras und der berühmte Arzt Hippokrates. Er widmete sich intensiv medizinischen und biologischen Fragen. Aristoteles sah in Demokrit einen Vorreiter auf dem Gebiet der biologischen Forschung.

    Demokrit hat einige Schriften über Biologie verfasst, von denen keine vollständig erhalten blieb. Basierend auf seiner Atomtheorie und dem Parallelismus von Mikro- und Makrokosmos müssen Ärzte die gestörte Ordnung der Atome im kranken Patienten durch diätetische, medikamentöse oder psychotherapeutische Maßnahmen wiederherstellen.

  • Demokrits Erkenntnistheorie

    Demokrit ist Anhänger der Emanationstheorie. Das heißt, feine Atome eines Objektes, das wir ansehen, wandern zu unserem Auge und finden dort ihre geistige Repräsentation, weil sie sich in das Auge einprägen. Wie ein Abdruck, den das Auge erhält.

    Demokrit war überzeugt, dass die Erde nicht flach ist, wie von Leukipp angenommen, sondern eine ovale Form hat. Des Weiteren erkannte er, dass der Mond Berge und Täler besitzt und sein Licht von der Sonne erhält.

  • Empedokles von Agrigent (495 – 435 v. Chr.)

    “Leben wandelt in Tod die Natur, die Formen vertauschend, Und mit des Fleisches fremdem Gewand umhüllt sie die Seele.”

    Empedokles war ein antiker Gelehrter, der sich gleichermaßen mit Philosophie, Naturforschung, Politik und Dichtkunst beschäftigte. Sein Leben und sein Tod sind von Mythen umrankt.

    Als Politiker sorgte er in seiner Heimatstadt Akragas für Kontroversen und wurde schließlich ins Exil gezwungen. Von dort aus kehrte er nie wieder in seine geliebte Heimat zurück.

    Die Legendenbildung um Empedokles bekräftigt seinen Status als eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Man betrachtete ihn nicht nur als Philosophen, sondern auch als einen Wundertäter mit übernatürlichen Fähigkeiten.

  • Schwarz-weiß-Bild einer Statue des griechischen Philosophen Empedokles, mit dem Titel 'Empedokles von Agrigent'.

    Empedokles wurde als Vorsokratiker von den Ideen der Pythagoreer und Eleaten inspiriert. Dennoch entwickelte er sein eigenes Welt-Konzept. Der Ursprung seiner Lehre basierte auf 4 Grundelementen: Luft, Feuer, Erde und Wasser. Diese 4-Elemente-Lehre hatte einen maßgeblichen Einfluss auf das naturwissenschaftliche Weltbild der Antike und prägte auch die Medizin bis ins 19. Jahrhundert hinein.

  • Zitate von Empedokles

    • Selig, wer einen Schatz an göttlichem Geist sich erworben.

    • Alles ist [so] mit Bewusstsein begabt nach dem Willen des Schicksals.

    • Nicht gibt's bei den irdischen Dingen Ein Entstehen noch ein Vergeh'n in verderblichem Tode Sondern Verbindung und Scheidung nur der verbundenen Stoffe

    • Der Erde Schweiß, das Meer.

    • Seht ihr nicht, wie achtlos ihr selbst einander zerfleischet?

    • So glaubt jeder nur an das, worauf er gerade bei seinen mannigfachen Irrfahrten gestoßen, und doch rühmt sich jeder das Ganze gefunden zu haben.

    • Was man sagen muss, darf man auch zweimal sagen.

    • Die Intelligenz nimmt in dem Maße zu, wie der Mensch die Welt erkennt.

    • Sonne und Erde und Himmel und Meer: sie halten zusammen, Freundlich verbunden ein jedes in seinen verschiedenen Teilen, Ob sie gleich fern voneinander im irdischen Weltall erwuchsen.

  • Empedokles’ Kosmogenese

    Beschreibung Zur Zeit des Empedokles gab es in der griechischen Philosophie zwei unterschiedliche Ansichten über die Welt. Diese wurden von Parmenides und Heraklit vertreten. Parmenides glaubte, dass nur das Unwandelbare, Vollkommene und Unveränderliche wirklich sei, da er davon ausging, dass Sein und Entstehen nicht miteinander vereinbar sind. Heraklit hingegen sah Sein und Werden als untrennbar verbunden an und war davon überzeugt, dass sie einander bedingen. Empedokles versuchte, den Ansatz des Werdens und Vergehens als auch das Konzept eines unveränderlichen Seins zu vereinen. Für ihn sind die 4 Urstoffe Feuer, Wasser, Luft und Erde Träger dieses Seins.rscheint hier

  • Empedokles Erkenntnistheorie

    Die Art und Weise, wie er die Sinneswahrnehmung erklärt, ähnelt der von Pythagoras und Alkmaion von Kroton. Er vertritt die Ansicht, dass Gleiches durch Gleiches erfasst wird. Da die Sinnesorgane aus denselben Elementen bestehen wie die Objekte, die wahrgenommen werden (also Atome & Urstoffe), können sie diese korrekt darstellen. Um Wahrnehmung zu ermöglichen, ist physischer Kontakt notwendig. Dabei gelangen feinste Atome der wahrgenommenen Objekte durch Poren in den Körper des Beobachters und erreichen so seine Sinnesorgane.

  • Empedokles’ Evolutionstheorie

    Empedokles betrachtet Lebewesen genauso wie alle anderen materiellen Objekte als Mischungen aus den 4 Elementen. Die Unterschiede zwischen Arten und Individuen erklärte er sich durch die Vielfalt der jeweiligen Mischungsverhältnisse. Durch das Zusammenwirken der verbindenden Liebeskraft entstanden die ersten Pflanzen und Tiere aus feuchter Erde. Nach seiner Vorstellung seien anfangs keine ganzen Tiere entstanden, sondern nur einzelne Bestandteile von Tierkörpern, die sich zu unförmigen Gebilden vereinigten, welche unstabil waren und zerfielen. Später formten sich zweckmäßig aufgebaute Organismen usw. Dem Zufall weist Empedokles eine wichtige Rolle bei der biologischen Evolution zu.

  • Empedokles über den Menschen

    Empedokles glaubt fest daran, dass Unrecht und Gewalttaten immer auf ihre Verursacher zurückfallen. Dieser Prozess vollzieht sich im Rahmen der Reinkarnation als eine Art Strafe für ihr Handeln. Das Individuum, das eine Schuld auf sich geladen hat, erfährt in aufeinanderfolgenden Lebensabschnitten schreckliche Schicksale. Empedokles greift mit dieser Lehre ein Konzept aus der orphischen und pythagoreischen Tradition auf.

    Jedoch ist es nicht angemessen, hier von einer "Seelenwanderung" zu sprechen, da der Begriff psyche, der später zur Bezeichnung der Seele gebräuchlich wird, in Empedokles' Werk nur an einer einzigen Stelle genutzt wird.

  • Skulptur eines männlichen Kopfes mit Bart und kurzer Haare, in einer Seitenansicht, auf einem hellen Sockel, im Hintergrund eine Wand mit abstrakten Mustern.

    Anaxagoras von Klazomenoi (499 – 428 v. Chr.)

    “Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch Erfahrung, Erinnerung, Weisheit und Kunst.”

    Anaxagoras wird allgemein als einer der Pioniere angesehen, die Theologie, Kosmologie und Ontologie miteinander verbinden. Seine Philosophie, von der nur Fragmente überliefert sind, wird als Synthese der Denkansätze Heraklits und der Eleaten betrachtet.

    Durch Anaxagoras wurde die ionische Aufklärung und Naturphilosophie nach Athen gebracht, wo er als philosophischer Lehrer und Berater Perikles nahestand. Sogar der Tragödiendichter Euripides ließ sich von ihm in das Feld des philosophischen Denkens und Forschens einführen.

    Buchtipps zu den Vorsokratikern und Anfängen der Philosophie:

  • Zitate von Anaxagoras

    • Und es ist keine Möglichkeit, dass etwas für sich gesondert existiere, sondern alles trägt einen Teil von allem in sich.

    • Die Sonne verleiht dem Monde seinen Glanz.

    • Die sichtbaren Dinge bilden die Grundlage der Erkenntnis des Unsichtbaren.

    • Wegen ihrer (der Sinne) Schwäche sind wir nicht im Stande die Wahrheit zu schauen.

    • Jeder Geist aber ist von gleicher Art, der größere wie der kleinere.

    • „Der Mensch ist das klügste aller Wesen, weil er Hände hat.“ (laut Aristoteles)

    • „Die Natur kennt keine Vernichtung, nur Metamorphose.“

    • „Schweigen ist die Arznei des Ärgers.

    • Wenn Du mich einmal betrügst, ist es Deine Schuld. Wenn du mich wieder betrügst, ist es meine.

    • Die Wissenschaft schadet all jenen, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wie sehr sie auch für andere nützlich ist.

    • Wenn die Stimme eines Feindes anklagt, verurteilt das Schweigen eines Freundes.

    • Alles hat eine natürliche Erklärung. Der Mond ist kein Gott, sondern ein großer Stein und die Sonne ein heißer Stein.

  • Anaxagoras Philosophie

    Viele Wissenschaftler betrachten Anaxagoras als Nachfolger der ionischen Philosophie der Milesier. Neben den verschiedenen Substanzen führte Anaxagoras eine Art universellen Geist (Nous) ein, der in Bewegung versetzt wurde und das zuvor Verbundene trennte:

    „Der Geist ist als einziges mit keiner anderen Sache vermischt, daher existiert nur er für sich selbst. Er ist unendlich und herrscht selbständig. Er ist die feinste und reinste von allen Sachen, hat von allem Kenntnis und besitzt die größte Kraft. Der Geist ist nicht nur Ursache der kosmischen Kreisbewegung, er hat auch alles geplant und arrangiert.”

    Anaxagoras betrachtete die Sonne nicht wie viele Menschen seiner Zeit als eine göttliche Gestalt, sondern sah sie eher als einen großen glühenden Stein. Als erster Philosoph erkannte er, dass der Mond nicht von selbst leuchtet, sondern nur indirekt durch das Licht der Sonne erstrahlt.

  • Platon über Anaxagoras

    In Platons Dialog Phaidon erzählt Sokrates, dass er in seiner Jugend ein starkes Interesse an den Naturwissenschaften hatte (96A ff) und in Anaxagoras einen kompetenten Lehrer fand (97D).

    Doch er habe sich anschließend von der Naturphilosophie abgewandt, da Anaxagoras die zentrale Frage nicht beantworten konnte, was genau Vernunft sei und wie sie uns Erkenntnis über die Natur vermittelt.

    Sokrates empfand es als oberflächliche Erklärung, dass jemand von einem Ort zum anderen geht, nur weil er 2 Beine hat. Eine überzeugendere Analyse sollte sich vielmehr auf die Gedanken konzentrieren, die jemanden dazu veranlassen, den Ort zu wechseln. Dies markiert den Beginn der sokratischen Revolution gegenüber den Naturphilosophen. Die Naturphilosophen erkundeten die Eigenschaften der Natur, während Sokrates den Menschen in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellte.

  • Interaktive Philosophie-Geschichte

    Wie sich die antike Philosophie von den sieben Weisen über die Naturphilosophen bis zu Sokrates und Platon entwickelte, zeigt die interaktive Philosophiegeschichte.

  • Philosophie zum Ausprobieren

    Was wäre, wenn du deine Erinnerungen löschen könntest? Sind deine Entscheidungen wirklich frei? Und wie sähe eine Welt ohne Angst aus?