Umgang mit depressiven Menschen

Tipps für Partner & Angehörige

Autorin: Die Inkognito-Philosophin

Wer einem depressiven Menschen helfen möchte, muss zunächst verstehen, was die Krankheit mit ihm macht. Als Betroffene weiß ich, wie viel Verständnis und Unterstützung durch Partner, Familie und Freunde bedeuten. Hier erfährst du, worauf es im Umgang mit depressiven Menschen ankommt, wie du helfen kannst und welche Worte guttun.

Wie kannst du einen depressiven Menschen unterstützen?

  • Depressive verstehen

    Was Betroffene durchmachen und warum Verständnis so wichtig ist.

  • Die richtigen Worte finden

    Was du sagen kannst und welche Sätze eher schaden.

  • Depression-Selbsttest

    Erste Hinweise erkennen und die eigenen Symptome einordnen.

  • 3 Tipps für Angehörige

    Wie du depressive Menschen im Alltag unterstützen kannst.

  • Depressionen: Grundlagen

    Symptome, Ursachen und Verlauf der Erkrankung verstehen.

  • Bücher & Ratgeber

    Lesetipps für Betroffene, Partner und Angehörige.

Verständnis für Depressive ist die größte Unterstützung

Als depressiver Mensch sind für mich Verständnis und Unterstützung durch Familie, Freunde, Bekannte und Partner die beste Hilfe im Kampf mit der Depression. Begreifst Du meine Gefühle und die schwierige Situation, in der ich mich befinde, ist schon eine Menge erreicht.

Am schlimmsten sind die Scham und Angst, als verrückt zu gelten. Daher sollten die Empfindungen psychisch kranker Personen nicht abgewiegelt oder relativiert werden. Alle Leiden & Qualen, die depressive Menschen durchstehen, sind echt.

Depressionen verstehen lernen

Wichtiges im Umgang mit Depressiven

  • Verstehe die Krankheit Depression

  • Lasse problematische Gespräche zu

  • Höre dem Erkrankten aktiv zu

  • ohne sofort einzugreifen

  • und Gegenargumente/Ratschläge zu liefern

Äußere Verständnis, das ist eine ungemeine Erleichterung für depressive Menschen. Sei da und zeige, dass Dir der Kranke viel wert ist.

3 Tipps im Umgang mit Depressiven

  • 1) Hilf dem Depressiven beim Gang zum Arzt

    Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schlimm es für Betroffene ist, um Hilfe zu bitten oder sich Hilfe zu suchen. Die Depression hält Dich mit ihren Klauen gefangen, redet Dir schwerste Schuldgefühle ein und raubt Dir jede Energie. Depressiven fehlt oft die Kraft, zum Arzt zu gehen. Viele haben auch keine Hoffnung, dass ihnen überhaupt zu helfen ist. Dabei sind auch Gefühle wie das überwältigende Schamgefühl und die Hoffnungslosigkeit Symptome der Depression.

  • 2) Bleib geduldig

    Viel zu leicht gesagt, ich weiß. Depressive Menschen melden sich nicht mehr & ziehen sich zurück, jammern, schimpfen und trauern viel. Das ist anstrengend für dich, ganz klar. Viele Verhaltensweisen von Betroffenen wirken nach außen hin dramatisierend oder theatralisch, überempfindlich oder pessimistisch. Tatsächlich ist es aber so, dass ich als depressive Person meine Gefühle, mein Innenleben und die körperlichen Leiden stärker wahrnehme als andere.

    Als Betroffene übertreibe ich mein Erleben nicht, sondern empfinde es wirklich als unerträglich. Das ist eben ein Symptom der Krankheit. Nicht ich. Weise und wende dich nicht von Betroffenen ab, auch wenn sie sich zurückziehen oder dich abblocken. Es ist die Depression, die dieses Verhalten auslöst. Erinnere daran, dass die Depression eine Krankheit ist und sich gut behandeln lässt. Bitte diskutiere und streite nicht, wie haltlos die Schuldgefühle oder die negativen Gedanken des Depressiven sind. Das macht nur Druck auf beiden Seiten.

  • 3) Lass Ratschläge & Lösungsvorschläge sein

    Es ist wirklich schwer, aufmunternde Worte zu finden, wenn ich in einer depressiven Phase bin. Jeder gut gemeinte Ratschlag klatscht mir schmerzlich ins Gesicht, denn keine dieser Erwartungen kann ich noch erfüllen. Schuld daran ist die Krankheit, sonst niemand.

    Rate nicht, ein bisschen Urlaub zu machen oder mal zu entspannen. Depressive sind krank, da hilft keine Auszeit, sondern nur eine Therapie. Das muss Dir klar sein! Darum wiederhole ich auch immer wieder, dass Du die Krankheit Depressionen mitsamt den Gefühlen & Gedanken, die sie erzeugt, verstehen musst.

Was kann man einem depressiven Menschen sagen?

Was darfst Du als Angehöriger, Freund, Partner von Depressiven überhaupt noch sagen, wenn so vieles problematisch wirkt? Es gibt einige Sätze, die Depressiven Mut machen können: 

  • Es ist okay

  • Ich bin für Dich da

  • Kann ich Dich unterstützen?

  • Es ist nicht Deine Schuld

  • Nicht schlimm, wenn heute nichts geht

  • Komm mal in den Arm

  • Wir schaffen das zusammen, Du bist nicht allein

  • Ich gebe mir Mühe, die Erkrankung Depression zu verstehen

Depressionen als Krankheit verstehen

Die Depression zählt zu den häufigsten psychischen Störungen. Schätzungen zufolge durchlaufen etwa 16–20 % der Bevölkerung einmal im Leben eine depressive Phase. Depressionen sind unter anderem gekennzeichnet durch:

Banale Alltagsaktivitäten sind für Patienten nur unter größter Anstrengung zu bewältigen.

Depressionen haben vielen Gesichter

  • Depressionen müssen aber nicht immer mit einer konkreten Traurigkeit einhergehen. Stattdessen kann sich diese Form der affektiven Störung auch als emotionale Leere äußern, welche Betroffene als quälend empfinden. Da es so viele verschiedene Anzeichen für Depressionen geben kann, wird mittlerweile von einem depressiven Syndrom gesprochen. Vgl. Stille Depression

    In der Regel fühlen sich Erkrankte in ihrem gesamten Leben starken Beeinträchtigungen unterworfen: Vielen fällt es äußerst schwer, Alltagsaufgaben zu erledigen, wie den Haushalt zu machen oder Zähne zu putzen. Betroffene werden auch von enormen Selbstzweifeln gequält und verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen früher einmal wichtig erschienen.

    Depressionen können nicht durch Ablenkung oder Zuspruch von außen erleichtert werden, sie benötigen eine fachgerechte Behandlung.

    Lies auch hier: Depressive erkennen

  • Wieso fällt es Depressiven so schwer, sich selbst Hilfe zu holen?

    Die normale Reaktion auf eine Krankheit oder Verletzung wäre, sich ärztlich behandeln zu lassen. Du musst allerdings begreifen, dass Depressionen eine sehr spezielle Krankheit sind.

    Depressive Menschen erleben ihren Zustand oft nicht als Erkrankung, sondern suchen die Schuld für ihren Zustand bei sich oder befürchten, als „verrückt“ oder „nicht normal“ zu gelten.

    Darum suchen sich viele Betroffene erst viel zu spät oder überhaupt keine professionelle Hilfe.

    Lies hier Tipps, wenn Depressive sich nicht helfen lassen wollen.

  • Depressive Gefühle & Gedanken sind nicht übertrieben

    Die Ängste und Beschwerden, über die ein depressiver Mensch spricht, sind nicht übertrieben, sondern fühlen sich für Betroffene genauso schlimm an wie geschildert.

    Das gesamte Innenleben ist krankhaft auf das eigene negative Selbstbild ausgerichtet. Dadurch werden depressive Ängste und Traurigkeit verstärkt, was wiederum die körperliche Gesundheit stark beansprucht.

    Wie stark, hätte ich selbst nicht geglaubt, bis ich es selbst zu spüren bekam. Lies hier: Seele & Gesundheit – Wie Gedanken & Gefühle aufs Immunsystem wirken

Depressionen kann einem niemand abnehmen

Als Partner & Angehöriger von Depressiven kannst Du jedoch einiges tun, um die Situation zu erleichtern oder zu überwinden. Hier findest Du Ratgeber für Angehörige von Depressiven:

Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist

» Xavier Amador, Laura Epstein Rosen: Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist (#Affiliate-Link/Anzeige), Wie man Angehörigen oder Freunden hilft

Schattendasein Depression Buchtipp

» Schattendasein: (#Link mit Anzeige) das unverstandene Leiden Depression

Buchtipp für Angehörige von Depressionen

» Christine Hutterer: Depression. Das Richtige tun (#Affiliate-Link/Anzeige), Ein Ratgeber für Angehörige und Freunde

Mit dem schwarzen Hund leben

» Matthew Johnstone: Mit dem schwarzen Hund leben: (#Affiliate-Link/Anzeige), Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren