Globalisierung 1– In 7 Schritten zum Kern unserer Kultur

Wenn es ein Schlagwort gibt, mit dem die politischen und wirtschaftlichen Sachverhalte unserer Zeit schon seit Jahrzehnten fast stereotyp beschrieben werden, dann ist es der Begriff Globalisierung. Was immer geschieht, wird mit diesem „Modewort“1 zu beschreiben, zu erklären und zu entschuldigen versucht, über alle luhmannschen Systemgrenzen hinweg.2

 

Das Phänomen Globalisierung

zwischen Modewort und Kampfbegriff

Dem inflationären Gebrauch zum Trotz scheint nicht ganz klar, was genau das Wesentliche der Globalisierung ist.

Wer eine umfassende Definition sucht, muss sich mit Umschreibungen zufriedengeben, die substanziell alle nur bestimmten politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen unter den Begriff „Globalisierung“ subsumieren und sonst den Bedeutungskern in der „Ausweitung, Verdichtung und Beschleunigung weltweiter Beziehungen“3 zu treffen versuchen, was recht schwammig bleibt, weil es an der inhaltlichen Präzisierung der Art dieser „Beziehungen“ mangelt, die dann zumeist aus fachspezifischer Perspektive partikulär gedeutet werden.

Hinzu kommt, dass in den Definitionen ideologische Prämissen durchscheinen, sodass die Begriffsbestimmungen schon in sich eine zielgerichtete Gegenwartsdiagnose liefern, die sich mehr einzelnen Aspekten möglicher Globalisierungsfolgen widmet als einer Phänomenologie des Globalisierungsbegriffs.

Dem Freiheitsgewinn und Wohlstandszuwachs etwa, den neoliberale Globalisierungsenthusiasten sehen, setzen Globalisierungsgegner gleich zu Beginn der Analyse die Gefahr entgegen, dass sich eine Anarchie breitmacht, die nur dem wirtschaftlich Starken diesen Zuwachs an Freiheit und Wohlstand garantiert. Globalisierung ist ein zutiefst ideologisierter Begriff, ein „Kampfbegriff“⁴.

Ich möchte nun auch keinen eigenen Definitionsversuch anbieten, sondern mich dem Begriff mit Hilfe dreier Fragen nähern:

  1. Was macht die besondere Dimension der Globalisierung aus?

  2. Weiterhin: Was sind die ideologischen Bedingungen, unter denen Globalisierung stattfindet?

  3. Und: Was sind die konkreten Erscheinungen und welcher Art sind die Folgen der Globalisierung?


1 Gil, Thomas, Staatsaufgaben. Zur Legitimation politischer Herrschaft, Berlin 2003, S. 49.

2 Vgl. Niederberger, Andreas, Schink, Philipp (Hg.), Globalisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch., Stuttgart 2011.

3 Osterhammel, Jürgen, Petersson, Niels P., Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen, München 2003, S. 10.

4 Köpf, Peter, Stichwort Globalisierung, München 1998, S. 10.

Dr. phil. Josef Bordat

Gastautor Dr. phil., Josef Bordat ist studierter Philosoph, Soziologe & Dipl.-Ing. Er arbeitet als Journalist & Autor und setzt sich dezidiert mit religiös-philosophischen Themen auseinander. Auf seinem Blog und in seinen Texten gibt er Einblicke in eigene Depressionserfahrungen und deutet sie aus christlicher Perspektive.

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