Charles Darwin
(1809 - 1882)
Naturforscher mit rätselhaften Beschwerden
Autor: Die Inkognito-Philosophin
Wer an Charles Darwin denkt, hat wahrscheinlich sofort Bilder von Galápagos-Schildkröten, Finken und Evolutionstheorie im Kopf. Doch hinter dem genialen Naturforscher verbarg sich ein Mensch, der sein Leben lang von rätselhaften Leiden geplagt wurde.
Heute würden viele diese Symptome als Ausdruck einer Angststörung oder Panikstörung interpretieren. Eine eindeutige Diagnose lässt sich rückblickend allerdings nicht stellen. Zu komplex war sein Krankheitsbild, zu unterschiedlich sind die medizinischen Erklärungsversuche. Seine Briefe und persönlichen Aufzeichnungen belegen jedoch eindrucksvoll, wie sehr sein Leben durch diese Leiden geprägt war und er es trotzdem schaffte, Pioniergeschichte zu schreiben.
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„Seit 25 Jahren extreme, krampfartige, tägliche und nächtliche Blähungen; gelegentliches Erbrechen, zweimal monatelang anhaltend. Erbrechen ging voraus mit Schüttelfrost, hysterischem Weinen, dem Gefühl zu sterben oder halb ohnmächtig zu werden und reichlichem, sehr blassem Urin.“
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Krankheitsgeschichte
Wie Darwins Leiden begannen und sich entwickelten.
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Angst und Belastung
Wie Aufregung und soziale Situationen seine Beschwerden verstärkten.
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Mögliche Ursachen
Welche medizinischen Erklärungen für Darwins Leiden diskutiert werden.
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Behandlungen
Ärzte, Wasserkuren und Darwins letzte Lebensjahre.
Darwins lange Krankheitsgeschichte
Bereits 1831 beim Aufbruch mit der HMS Beagle litt Darwin unter Herzklopfen und Herzschmerzen. Wie viele junge, unwissende Männer, insbesondere solche mit oberflächlichen medizinischen Kenntnissen, war er überzeugt, er hätte eine Herzkrankheit.
Auf der fünfjährigen Seereise bekam er immer wieder Fieber, Darmprobleme, Furunkel, Kopfschmerzen und eine schwere Seekrankheit.
Nach seiner Rückkehr 1836 setzte sich Darwins Leidensweg fort. Er litt unter einer Vielzahl von Beschwerden: Magen-Darm-Probleme wie chronische Bauchschmerzen und Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Durchfall fesselten ihn oft ans Bett. Hinzu kamen Herzrasen, Brustschmerzen, Zittern, Muskelschwäche und Hautausschläge.
Besonders quälend waren die Schlafstörungen: „Ich konnte nicht schlafen, und alles, was ich tagsüber tat, verfolgte mich nachts mit lebhafter und sehr ermüdender Wiederholung.“
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Angst als ständiger Begleiter
Stress und soziale Verpflichtungen verschlimmerten seine Beschwerden erheblich. Darwin berichtete, allein das Schreiben von Briefen, besonders wenn sie wichtig waren, konnte eine Attacke auslösen.
Darwin zog sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück. Auf seinem Landsitz Down House lebte er zurückgezogen, mied gesellschaftliche Anlässe und lange Reisen.
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Darwins Angst zeigte sich auch in alltäglichen Situationen. Als anschauliches Beispiel beschrieb er einen Zoobesuch: Vor einem Terrarium mit einer Puffotter sprang er trotz des Schutzes der Glasscheibe „ein oder zwei Yards“ zurück.
„Mein Wille und mein Verstand waren kraftlos gegen die Einbildung einer Gefahr, die niemals direkt erfahren worden war.“
Diese Beobachtung deutete er so, dass manche Ängste angeboren sein könnten und nicht allein durch negative Erfahrungen entstehen.
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Darwins Lebensstil: Isolation und Produktivität
Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen gelang es Darwin, seine Arbeit voranzutreiben. Die zurückgezogene Lebensweise auf seinem Landsitz Down House bot ihm den Freiraum, sich auf seine Forschung zu konzentrieren.
Sein Tagesablauf war streng strukturiert: Kurze Arbeitsphasen wechselten sich mit längeren Erholungszeiten ab – eine Strategie, die ihm half, seine enorme Arbeitslast zu bewältigen, ohne sich zu überfordern.
Darwin selbst bezeichnete seine Krankheit manchmal sogar als „Hilfe“, weil sie ihn „vor den Ablenkungen der Gesellschaft und des Vergnügens bewahrt“ habe.
Das bedeutet allerdings nicht, dass er seine Isolation ausschließlich als Vorteil empfand. Sie schränkte ihn auch ein und hielt ihn von Freunden und wissenschaftlichem Austausch fern.
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Darwins Ängste
Darwin hatte eine ausgeprägte Abneigung gegen Blut und Operationen – so sehr, dass er sein Medizinstudium in jungen Jahren aufgab. Heute könnte man diese Angst als spezifische Phobie einordnen. Eine nachträgliche klinische Diagnose lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Auch vor öffentlichen Auftritten fürchtete er sich. In einem Brief an seinen Sohn Willy schilderte Darwin, wie nervös er anfangs war, als er als Sekretär der Geologischen Gesellschaft Vorträge halten musste:
„Ich war anfangs so aufgeregt, dass ich außer dem Vortrag nichts um mich herum wahrnehmen konnte. Es fühlte sich an, als wäre mein Körper verschwunden und nur mein Kopf geblieben.“
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Ein anderes Mal berichtete er, dass er nach nur wenigen Minuten Rede bei einer wissenschaftlichen Tagung 24 Stunden lang unter heftigem Erbrechen litt.
In seinen Aufzeichnungen beschrieb Darwin außerdem Schwindel, zitternde Hände und Übelkeit. Vor manchen Erbrechensanfällen erlebte er Schüttelfrost, Todesgefühle oder das Gefühl, beinahe ohnmächtig zu werden.
Es wird berichtet, dass Darwin bereits in der Jugend mit körperlichen Leiden wie Zittern, Schüttelfrost und Darmproblemen kämpfte. Nachdem er seinen ersten Vogel geschossen hatte, erinnerten ihn später seine zitternden Hände daran, wie stark ihn die Aufregung mitgenommen hatte. Er konnte sein Gewehr kaum nachladen.
Musik löste in ihm ein so intensives Vergnügen aus, „dass mir manchmal das Rückgrat zitterte“, schrieb er in seiner Autobiografie.
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Einschneidend muss auch der Tod seiner Mutter 1817 gewesen sein, als er gerade einmal acht Jahre alt war. Sie bekam starke Bauchschmerzen und verstarb wenige Tage danach. Für den jungen Charles war dieser Verlust plötzlich, schwer und unerklärlich. Ob das Erlebnis mit seinen späteren Gesundheits- und Sozialängsten zusammenhing, lässt sich allerdings nicht belegen.
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Was verursachte Darwins Angststörung?
Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Diagnosen vorgeschlagen, um Darwins Leiden zu erklären.
Einige vermuteten Morbus Chagas, eine Parasiteninfektion, die er sich auf der Beagle-Reise eingefangen haben könnte.
Andere spekulierten über eine Arsenvergiftung durch die damals üblichen Medikamente, Morbus Crohn, Laktoseintoleranz oder verschiedene andere organische Erkrankungen.
Auch psychische und psychosomatische Erklärungsansätze wurden diskutiert. Insbesondere seine Angstreaktionen, die körperlichen Beschwerden und ihre gegenseitige Verstärkung standen dabei im Mittelpunkt.
Eine einheitliche medizinische oder historische Lehrmeinung gibt es bis heute nicht. Der Medizinhistoriker Roderick D. Buchanan zeigte 2021 in einer Untersuchung zur Geschichte der Darwin-Diagnosen, wie stark die jeweiligen Erklärungsversuche auch von den medizinischen Vorstellungen und Interessen ihrer Zeit geprägt waren.
Die Frage, woran Darwin tatsächlich litt, bleibt deshalb offen.
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Zuletzt linderten sich seine Leiden
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Im Laufe seines Lebens suchte Darwin zahlreiche Ärzte auf – darunter sogar den Leibarzt von Königin Victoria – und unterzog sich vielfältigen Behandlungen. Dazu gehörten unter anderem das Auflegen von Eisbeuteln auf die Wirbelsäule, Quecksilberpräparate, Säuremittel, Wismut, Zitronen, Codein sowie elektrische Reize am Bauch.
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Seine anfänglich bevorzugte Behandlungsmethode war die viktorianische „Wasserkur“, für die er mehrere Monate in einem Kurort verbrachte.
Die Behandlung war aufwendig: Darwin wurde mit einer Spirituslampe erhitzt, anschließend mit kalten, nassen Handtüchern abgerieben und erhielt kalte Fußbäder sowie feuchte Umschläge für den Bauch. Anfangs war er von der Methode überzeugt. Nach seiner Rückkehr führte er die Wasserbehandlungen in einem eigens eingerichteten Bad in Down House fort.
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Seine gesundheitlichen Probleme blieben auch nach der Veröffentlichung seines gefeierten Werkes On the Origin of Species bestehen.
Im letzten Jahrzehnt seines Lebens besserten sich seine Beschwerden zeitweise, verschwanden aber nicht vollständig.
Am 19. April 1882 starb Darwin im Alter von 73 Jahren im Beisein seiner geliebten Ehefrau Emma.
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