Walther Bensemann
11 Fußballer, die man kennen sollte, auch, wenn man sich nicht für Fußball interessiert – Teil 4
Er ist sicherlich der schlechteste der elf Spieler dieser kleinen Serie. Als aktiver Fußballer galt er in seiner Jugend als nur wenig talentiert. Außerdem als viel zu langsam und – etwas zu dick. Nein, nein, es geht nicht um Diego Maradona – der kommt demnächst noch zu seiner Ehre. Es geht um Walther Bensemann. Als recht erfolgloser Spieler ist er hier auch vielmehr als Organisator und Publizist interessant, als Fußball-Funktionär und Edel-Experte, als Spielmacher einer ganzen Nation. Oder, kurz gesagt: Als größter Fan aller Zeiten.
1873 geboren, ist der junge Bensemann wie besessen von dem in Deutschland als „englische Krankheit“ verpönten Fußball.
Hierzulande hat das Ende des 18. Jahrhunderts entstandene und 1807 von Friedrich Ludwig Jahn institutionell begründete Turnen eine überragende Bedeutung in der Leibeserziehung.
Fußball gilt dagegen als „Sport“ (ein Gegensatz zum Turnen – noch heute erkennbar an Vereinen mit TSV im Namen: Turn- und Sportverein), manchem gar als „Fußlümmelei“ und „sinnloses Getrete“.
Fußballspiele werden regelmäßig gestört – nicht durch alkoholisierte englische Hooligans, sondern durch aufrechte preußische Bürger.
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Walther Bensemann ist mutig genug (und „fußballverrückt im besten Sinne“, wie Horst Hrubesch sagen würde), um dennoch mehrere Fußballvereine zu gründen – unter anderem die Vorläufer der heutigen Großclubs Eintracht Frankfurt, Karlsruher SC und Bayern München.
1899 organisiert er die ersten beiden Länderspiele einer deutschen Mannschaft gegen England. Auf einem Bolzplatz in Berlin verliert die den englischen Profis in allen Belangen unterlegene Bensemannschaft am 23. und 24. November 1899 mit 2:13 und 2:10. Eine Blamage. Beziehungsweise gleich zwei.
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Und dennoch der Durchbruch
Bensemann und seine Mitstreiter gründen wenige Wochen später, am 28. Januar 1900, heute vor 126 Jahren, den Deutschen Fußball Bund. Dass dieser einmal zu den größten und erfolgreichsten Sportfachverbänden der Welt gehören würde, war im Winter 1899/1900 alles andere als klar. Bensemann wollte lediglich seinem Sport in Deutschland zum Durchbruch verhelfen, ohne für den DFB große politische Ansprüche zu erheben, denn: „Sport veredelt den Charakter, Politik verdirbt ihn“. So Bensemann.
Darauf folgte 1920 der zweite Teil seines Lebenswerks: die Gründung der Sportzeitung „Kicker“. Darin berichtet Bensemann höchstselbst von den Großereignissen seiner Zeit, dem Olympischen Fußballturnier in Paris (1924) oder der zweiten Fußballweltmeisterschaft in Italien (1934). Noch heute ist der „Kicker“ die Fußballzeitschrift schlechthin.
Am 12. November 1934 stirbt Walther Bensemann – zwanzig Jahre vor dem ersten großen Erfolg seines DFB bei der Weltmeisterschaft 1954, die Deutschland bekanntlich gewann.
Nach Bensemanns Tod erscheint in seinem „Kicker“ (mittlerweile von den Nazis in „Amtliches Organ des Reichsfachamtes Fußball im NS-Reichsbund für Leibesübungen“ umbenannt) ein einziger Satz als Nachruf.
Ansonsten wird der im Schweizer Exil verstorbene Bensemann in seiner Heimat totgeschwiegen. Walther Bensemann war Jude.